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Matthias Groll
Körperintensiv: Kurzfilme und ihre leibliche Wirkung


Abwärts
Gerhard Tietz Deutschland, 2000 16mm 06:30min Kurzspielfilm OV ger. [ Milieukomödie ]
Erwin Hortriegel hat eine neue Wohnung im Hochhaus, doch die Nachbarschaft läßt zu wünschen übrig. Was tun: Wegziehen oder bleiben?

Carla Vröger – Menschen, die es wirklich gibt
Alessandra Schellnegger Deutschland, 1997 S8 07:00min Kurzspielfilm OV ger. [ Außergewöhnliche Milieustudie ]
Erleben Sie unter dem Motto „Menschen, die es wirklich gibt“, von Freud und Leid einer Randgruppe: Alltagsbeobachtungen und Interviews zeigen eine ganz besondere Sorte Mensch.

Modern Daydreams – Deere John
Mitchell Rose USA, 2001 BetaSP 04:00min Kurzspielfilm Without Dialogue [ Getanzter Tagtraum ]
Ein Mann und ein 22-Tonnen-Bagger tanzen einen Tanz voller Entdeckung, Erfüllung und schließlich: der Verlust, den jede dieselbasierte Beziehung eines Tages erleiden muss.

Contamination
Carl Stevenson England, 2003 BetaSP 06:00min Expermentalfilm Without Dialogue [ Mutationsfreudiger Tier-Film ]
Mutation oder genetische Veränderungen? Die Lebewesen sind kreuz und quer geklont! Tauben fliegen mit Händen, und Hühner haben Katzenköpfe!

Heideröslein
Patrick Gericke Deutschland, 1993 BetaSP 05:00min Kurzspielfilm OV ger. [ Musikfilm ]
Eine Arie im Wohnzimmer: Vor dem zeitungslesenden Vater macht sich die Tocher auf, großes Liedgut zum Besten zu geben, opulent und in Gebärdensprache. Bleibt die Frage, was der Vater davon hält.

Generation
David Downes Neuseeland, 2004 BetaSP 13:15min Computeranimation Without Dialogue [ Elektrizitäts-Film ]
Ein Poem über die Kosmologie des Stroms: Energie ist der Kern der Elektrizität. Sie ist ungreifbar, doch wirkt körperlich.

It´s my turn now
Jörgen Hjerdt Schweden, 2005 35mm 07:00min Kurzspielfilm [Hausfrauen-Emanzipation]
Es kann der Moment kommen, an dem man sich einzugestehen hat, dass es reicht: Eine Mutter stürzt und sie hält inne, um Bilanz zu ziehen.

Still life
Jon Knautz Kanada, 2005 16mm 08:30min Kurzspielfilm OV engl. [ Kleinstadt Schocker ]
Als der junge College- Student Nathan nach seiner Abschlussprüfung in einer kleinen Stadt anhält, gerät er in einen Alptraum: die Bewohner sind Schaufensterpuppen.

Oh my God
John Bryant USA, 2004 MiniDV 09:52min Kurzspielfilm OV engl. [ Killer – Film ]
Die alptraumhafte Geschichte eines Mannes, der nach Hause kommt und seine Frau verletzt vorfindet. Beim Versuch, sie zu retten, geht viel daneben.

Komplexe Wahrnehmung als
empraktische Strategie paradoxaler Emergenz

Hat die ´Postmoderne´ das ´Abrücken von der Monokultur des Sinns und vom Logozentrismus´ zelebriert (vgl. Welsch 1991 82), den ´im Plural Lebenden´ (ders.) aber mit seiner Orientierung herzlos alleine gelassen, so kann a) gefragt werden, ob die Postmoderne überhaupt stattfand, bzw. ob das Eine nicht nach wie vor dominiert, und b) inwieweit der Plural oder ein Darüberhinaus über das strukturell Gefestigte und monokulturell Eindimensionale nicht nach wie vor angebracht sei.

Das Moderne ist fest in Händen technischer Perfektion und rationalen Kalküls. Darfs etwas mehr, etwas menschelnder sein?! Eine Wahrnehmung und eine Strategie, die den Menschen zum Maß der Dinge macht!? Die Struktursprache der Banalrationalität zu überbieten, empfielt Dirk Baecker ´Ironie´ (vgl. 199o 27) , Siegfrid J. Schmidt fordert ´Humor´ (vgl. 1993 339), Hans-Martin Schönherr-Mann ´Dichten als Denken´ (vgl. 1993 173f) und Flusser weist darauf hin, daß ´die Geste des Liebens nicht im Programm inbegriffen´ sei, ´sondern aus dem Programm heraus´ führe (vgl. 1991 98). Zurück zum Fleisch also, zurück zum Denken und zur (Lebens-) Lust?

Baudrillard: „Wir müssen uns im Paradox halten … Vielleicht muß die Sprache terroristisch, krachförmig … werden. Wenn man von Simulation sprechen will, muß die Sprache selbst simulatorisch werden … Früher war das einfach Poesie“ (199o 267).

„Der Rest … das was übrig bleibt, wenn alles aufgeschrieben worden ist“ (vgl. Kamper 1986, 155) läßt sich nicht funktionalisieren. Dieser körpernah-empraktischem Rest also gebührt Reanimation, denn der Mensch „ist nicht partout ein Selbst, das im Identischen des Verstehens mit sich selbst vermittelt wäre. Vielmehr gibt es eine Differenz, die nicht getilgt werden kann … Es bleiben Reste, die nicht aufgehen“ (Kamper 1990b, 142). –
Nicht einmal ´das Gesetz des Regenwurms führt zum Regenwurm´ (vgl. Penrose 1991, Vorwort XIX). Dabei geht es, so Kamper, „nicht um Herrschaft, sondern um Leidenschaft“ (199o 1o). – Also mit Krach und Drüsen dem ´Terror Der Vernunft wiederstehen?!

„Das normale Bewußtsein ist … eine Abwehrmaschine … Innerhalb der Mauern herrscht Angst und draußen vermutet man Chaos“ (Kamper 1986 53). „Einzig ´entrüstete Ordnungen´ wären in der Lage, den neuen ´faulen Zauber´ einer Vernichtung von allem, was ist, zu entgehen“ (Kamper 1986 164).

„Der Streit“, so Kamper, „wird nicht nach dem Muster der exklusiven Vernuft geführt werden, nicht frontal, sondern über die Nebenwege paradoxaler Einsprüche, von denen man nicht einmal weiß, ob sie ernst gemeint sind … Was zu leisten ist, wäre ein mimetisches Doppelspiel, das auf die Agonie des Agonalen ungezwungen antwortet“, das ´auf das Ende des Widerstreits den Widerspruch setzt´ (vgl. 1986 45f). Weder Aufklärung noch Mythos könne, so Kamper, der ´Verstümmelung des Menschen durch die Maschine´ entgegentreten (vgl. ebda 27). Erst die Überwindung der ´Angst vor Paradoxien´ (vgl. ebda) durchbricht die mediale Verführung, den ohnehin paradoxen Aufklärungszwang und die mythische Bildhörigkeit. – Der ´Sprung aus dem Gewöhnlichen ins Ungewöhnliche´ freilich will gelernt sein (vgl. Flusser 199ob 1o5).

Komplexitätsreduktion sei ein Fehler, so Kamper, „denn ein Denken, das einfacher macht, macht alles noch schwieriger. Ich versuche, das umzudrehen, und sage: Je komplexer das Denken, desto einsichtiger, je schwieriger das Denken, desto genauer“ (1993b 74). „Erst der Überstieg in labyrinthische, d.h. hyperkomplexe Strukturen würde die Offenheit bringen, die längst fällig ist“ (Kamper 1986 16). Emergent (= elolutionär komplex gesteigert) sind Handlungen also, wenn noch das Diffuse zum Leitfaden zugelassen ist. Die Wahrnehmung hat die Explosion wahrnehmungstaktisch durch eine ´körpernahe Einbildungskraft´ (vgl. Kamper 1986 66) sinnestaktisch zu steigern. Die Komplexitätssteigerung wirkt als ´Sprengung des entropischen Zwangs´ (vgl. Kamper 199ob 141) und ist eine qualitative Umstrukturierung der Sinnesfähigkeit.

Luhmann: Es gibt „Anreize genug, das Konzept der lösbaren Probleme wieder in das der Widersprüche zurückzuverwandeln“ (519). Luhmann zufolge brauchen ´soziale Systeme Widersprüche für die Fortsetzung ihrer Selbstreproduktion, also für ihr Immunsystem´ (vgl. 1988 526). „Paradox werden heißt: Verlust der Bestimmbarkeit, also der Anschlußfähigkeit für weitere Operationen“ (ebda 59).

Also – extrem gesagt – Stecker raus und Schluß? Neustart? (Flussers Nachgeschichte) Ein Ver-rückt-Sein dem Akkuraten entgegenstellen? Einen Versuch sollte es wert sein.

Matthias Groll
www.interfilm.de
http://textgroll.jimdo.com

Literatur:

Baecker, Dirk, 199o: „Die Kunst der Unterscheidungen“, in: Ars Elektronica (Hg.):
„Im Netz der Systeme“, S. 7 – 39, Berlin.
Baudrillard, Jean, 199o: „Virtuelle Katastrophen“, in: Kunstforum International,
Nr. 105, S. 265 – 272.
Flusser, Vilém, 199o (1985): „Ins Universum der technischen Bilder“, Göttingen.
Flusser, Vilém, 1991: „Gesten. Versuch einer Phänonenologie“, Düsseldorf und Bensheim.
Groll, Matthias, 1998: „Das Digital – Strategien der Neuen Medien“, München.
Kamper, Dietmar, 1986: „Zur Soziologie der Imagination“, München, Wien.
Kamper, Dietmar, 199o (1981), „Zur Geschichte der Einbildungskraft“, Reinbeck bei Hamburg.
Kamper, Dietmar, 199ob: „Zwischen Simulation und Negentropie. Das Schicksal des Individuums im Rückblick
Kamper, Dietmar, 1991: „Der Januskopf der Medien. Ästhetisierung der Wirklich-
keit, Entrüstung der Sinne“ in: Rötzer, Florian: „Digitaler Schein, Ästhetik der elektronischen Medien“, Frankfurt am Main, S. 93 – 99.
Luhmann, Niklas, 1992: „Beobachtungen der Moderne“, Opladen
Luhmann, Niklas, 1996 (1995): „Die Realität der Massenmedien“, Opladen
Penrose, Roger, 1991 (1989): „Computerdenken. Die Debatte um Künstliche
Intelligenz, Bewußtsein und die Gesetze der Physik“, Heidelberg.
Preikschat, Wolfgang, 1987: „Video – Die Poesie der Neuen Medien“, Weinheim bei Basel.
Schmidt, Siegfried J., 1993: „Es gibt keine Entwicklung, von der man sagen
könnte, da geht es hin!“ – ein Gespräch mit Rudolf Maresch, in: Maresch, Rudolf: „Zukunft oder Ende. Standpunkte, Analysen, Entwürfe“, München,
S. 315 – 34o.
Schönherr-Mann, Hans-Martin, 1993: „Negative Ökologie als große Erzählung?“ in:
Maresch, Rudolf: „Zukunft oder Ende. Standpunkte, Analysen, Entwürfe“,
München, S. 167 – 181,
Sloterdijk, Peter ,1987: „Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische
Abrüstung“, Frankfurt am Main
Welsch, Wolfgang, 1991 (199o): „Ästhetisches Denken“, Stuttgart.

Details

Datum:
20. November 2007

Veranstaltungsort

HGB, Raum 2.24
Leipzig,

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